Erinnerungen an 30 Jahre Anglerverein Schwerin Süd e. V.


 

Diese Erinnerungen sind keinesfalls eine lückenlose Abfolge der Ereignisse, die das Vereinsleben ausgemacht haben. Sie sind in der Tat nichts anderes, als Erinnerungen eines Mitglieds an Ereignisse, die gut im Gedächtnis desselben festgeschrieben wurden.

Dies wäre auch gar nicht möglich, weil der Schreiber erst 1973 einem Anglerverein beigetreten ist. Geangelt hat er natürlich schon vorher, sozusagen „von Kindesbeinen an“.

Aus der Chronik weiß ich aber, dass der erste Vorsitzende ein Herr Kretschmar gewesen ist.

Natürlich habe ich ihn auch selber kennen gelernt und zwar bei einer Anglerversammlung im „Goldenen Iwan“ auf dem Dreesch. Er hielt uns, vor allem den „Neuen“, einen Vortrag über das Friedfischangeln. Mir gegenüber hatte, der Euch noch allen bekannte Angler und später, so glaube ich, auch kurzzeitiges Mitglied der Leitung, Helmut Bramann Platz genommen. Kretschmar legte los.

Anfangs war alles i.O., aber dann steigerte er sich zum entscheidenden Ausruf:

„Ihr müsst immer eine Rasierklinge zum Angeln mithaben.“ Warum, so der allgemeine Aufschrei der schon leicht alkoholisierten Menge.

„Damit Ihr die Maden vierteln könnt, denn nur dann fangt Ihr auch die Punktefische!“

Bramann tat mir schon leid. Seine (und meine) Lachkrämpfe trieben ihm die Tränen aus den Augen und schmierten seine Nase derartig, dass ihm die Brille ständig herunterrutschte. Alle Versuche, dieselbe sauber zu halten waren völlig zwecklos. Es lag eben doch am Madenvierteln! Es war dies ohne Zweifel ein sportlicher Abend, denn allen taten die Bauchmuskeln weh.

Zu dieser Zeit „trieb“ es der Verein mit 4 Gruppenmeisterschaften, 6 Mitgliederveranstaltungen, An- und Abangeln, 2 Preisskat, einem Meeresangeln und einem Anglerball, aufwendig, aber kurzweilig.

An dieser Stelle muss ich ein Kompliment an den Verfasser der Chronik, Christian Thomas, loswerden. Er hat die Chronik tatsächlich mit allerlei Kunstwerken ausgeschmückt, die es Wert sind, herumgezeigt zu werden. Auch der Umschlag, von mir leicht verändert, gehört dazu.

1974 haben wir ein Anangeln am Langen Graben veranstaltet und tatsächlich 23,310 kg Fisch gefangen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Schuppentierchen dies gewesen seien sollen. Ich glaube allerdings, dass ich im selben Jahr beim Plötzangeln am Ausgang des Langen Graben zum Außensee hin Besuch von einem Bekannten erhielt, der ansonsten in Prerow beheimatet, oft mit den Fischern auf See unterwegs war. Ich wurde gefragt, was ich denn angele, ich antwortete Plötze und zeigte ihm einen. Recht groß und gut gebaut. Klaus nahm den Fisch in die Hand und fragte, ob es ein gut schmeckender Fisch wäre. Ich sagte „Ja.....“. Er nahm den Daumen, schuppte mit einem geübten Schub die Rückenschuppen weg und biss kräftig in den rohen Fisch. Als ich das wohlige Fressgeräusch eines Fischotters vernahm wurde mir doch etwas anders.


auch dieses Bild stammt von Thomas
 

Wir gründeten sie also.

Der Chef wurde ein Herr Hellmann, leider kann ich mich nicht mehr an diesen Angler-Sportfreund erinnern. Sohn Hjalmar war aber der Stellvertreter (,ob er es noch weiß?)!

Der Arbeitsplan jedenfalls, war toll.

Neben 3 Wettkampfangeln, einem Radausflug u.a. war auch ein Bratwurstessen am Lankower See dabei!

In diesem Jahr war bereits ein gewisser „Fischdieb“ Harald der Vorsitzende des Vereins.

Eine seiner Vorlieben war das Angeln auf der See.

Wir wollten also mal wieder mit dem verbandseigenen Kutter auf die See fahren.

Abfahrt Warnemünde.

Erstes Ergebnis: Mehr als Windstärke 4, also ist nicht!!!

Grosses Rätzelraten................Geheimtip von Erhard, man kann doch auch von der Brandung aus angeln.

Auftanken an dem einzigen in Warnemünde offenen Kiosk. Und es wurde getankt. Wir waren mit dem „Schokoladenbraunen“ unterwegs und mussten eigentlich keine Rücksicht auf die Polizei nehmen. Ich will die bösen Verhandlungen mit dem Kioskbesitzer nicht erläutern, aber wir hatten am Ende, was wir brauchten. (Woher hatte bloss Udo seinen Stoff?)

Auf ging es nach Börgerende. Anfang des Dramas an der Conventer Schleuse zwischen Heiligendamm und Börgerende.

Wo ist Udo?!!!!

Er lag volltrunken, den Kopf seicht durch die Wellen umspült neben der Schleuse.

Jetzt ging unser erstes Brandungsabenteuer los.

Werfen, werfen und nicht müde werden. Wir waren in Bögerende am Strand angekommen und Fischdieb Harald hatte tatsächlich den ersten Dorsch an der Leine und an Land (Das Tier war nicht unerheblich!).

Direkt vor Börgerende hatte plötzlich unser „Sachse“ Adam Biss. Ja... ziehen musst Duuuuu!!!

Adam verließen die Kräfte. Er musste auf seinen Knien den Strand hoch kriechen, um den Dorsch zu kriegen! (Oder hat er doch nicht?).

Wir gingen bis nach Niendorf, ohne weiteren besonderen Erfolg und hatten doch mit großer Befriedigung unser erstes Brandungsangeln hinter uns gebracht. Und das am hellerlichten Tag, wo man eigentlich vom Ufer aus nur Brieftaschen fangen kann.

Am 20.4.1975 waren zum Wettkampfangeln 29 Erwachsene, 6 Jugendliche und 4 Kinder anwesend, aber 15 waren entschuldigt und 42 fehlten einfach so. Die Besten waren:

Glahn (kennt diesen Mann noch jemand?)

Riewald

Bramann

Kretschmar und ...............

Risy (der glücklicherweise geizigste Mann, aber beste Kassierer!)
 
 


 

Wir haben das Jahr 1978 erreicht und bestaunen eine besondere Ausschreibung zum Meerespokal!
 
 


 

Ein Jahr darauf geschah die ganz gewaltige Anglerfete in Friedrichstal.

In der Chronik gibt es eine ganze Bilderserie zu diesem Ereignis.

Ich kann mich erinnern, das der Kneiper in der Endabrechnung tasächlich 250 kg Möhren auf der Rechnung hatte und natürlich protestiert wurde.

Das Ende war eine Rechnung für zwei Wildschweine, essen, trinken bis zum Ende (und keine 250 kg Möhren!) von sage und schreibe:

638,- (DDR)Mark!!!

Der Kneiper wurde entlassen und der Konsum entschuldigte sich.

Hier nur ein Auszug und keiner kann was erkennen?


 

Vor 20 Jahren hatten wir unser Anangeln am Aubach.

Es lag noch der Nachtfrost auf den Bäumen und das Thermometer war unter 0 Grad.

Ich erwähne dieses Angeln, weil Christian Thomas dazu eine sehr gelungene Zeichnung angefertigt hat. Der Gewinner war ebenfalls einer unserer Fischdiebe, Reinhard Riewald.


 


Bild: Ch. Thomas

In diesem Jahr war nicht Harald, sondern ein aus der Leitungsetage von PMS stammender Herr Butschies, Vorsitzender der Anglergruppe.

Hätte er doch damals die Kraft seiner Wassersuppe für ein Vereinsgelände unseres Arbeiter-Anglerverein benutzt, es wäre was Bleibendes vorhanden.

Aus dem selben Jahr gibt es aber eine Rechnung, nach der Harald todsicher zu einem Hecht gekommen sein will:

Immerhin ist ein Hecht geangelt worden!
 
 

Jetzt mal ganz ernst und zwischendurch sei erwähnt, dass die PMS-Angler in der Tat sehr viele Arbeiten erledigt haben, die der Umwelt ausserordentlich gut taten.

So haben wir z.B. dafür gesorgt, dass im Bereich Vorbeck die Warnow und die Motel bepflanzt wurden, was jeder von Euch heute betrachten kann. Unser Verein war es, der durch seine Arbeitsgruppe für Salmonidengewässer ab 1977 dafür Sorge getragen hat, dass es in der Warnow wieder Forellen gab. Wir sind es, die mit grossen Mühen einen ab 1985 hervorragenden Bachforellenbestand in der Warnow mit den Methoden der alten Mönche aufgepäppelt haben: Daher ist es auch ganz richtig, dass unser Verein 1998 den Pachtantrag zur Pachtung der Warnow gestellt hat. Dieser Antrag wurde genehmigt und durch den Landesanglerverband übernommen. Wir sind also ganz rechtlich der pachtausübende Verein der Warnow-Salmonidenstrecke.

In den von Mitgliedern unseres Vereins eingerichteten Laichstrecken der Warnow gibt es kaum einen Stein, den wir nicht bewusst plaziert haben.

Ich wollte ja nicht alles erwähnen und trotzdem haben Mitglieder unseres Vereins in Jahren sehr strenger Winter die kleinen Gewässer um Schwerin aufgesucht, um Löcher in die zu starken Eisdecken zu schlagen, damit die Fische wieder Sauerstoff bekamen.

Damit bin ich schon in den 80-ziger Jahren.

Da fällt mir ein Karneval ein. Donnerwetter, haben wir uns gut amüsiert!!

Einige von vielen Bildern:


 

In der zweiten Hälfte der 80-ziger Jahre war Herbert unser Vorsitzender. Ich denke, er hat sich die meisten Jahre mit dem Verein vor dem Umsturz (dieses Wort ist nur eine kleine Provokation an die Leser!)„herumgeschlagen“.

Ich sage also ganz natürlich: „Danke Herbert“

Bei dieser Gelegenheit fällt mir allerdings Nakensdorf ein. Es war das Wochenende vom 7. zum 8. September 1985.

Der Verein hatte eine Wochenendtour für die Familie organisiert.

In Nakensdorf gab es ein sehr schönes Betriebsferienlager.

Wir wollten am Abend feiern und am nächsten Morgen zum Angeln am beiliegenden See aufbrechen.

Am Abend:

Wir sassen gemütlich zusammen und tranken auch unendlich Wein (Frauen) und Bier.

Da sagt Herbert:

„Ich habe vor ein par Tagen bei Enno gesehen, dass sein Auto (ein Sapo) auch eine 220 V- Lampe richtig betreibt."

Herbert erntete milde Lacher und einen ernsten Widerspruch von Zocher, selber der Sapo-Caos-Fahrer.

Schon wurde von Zocher eine lautstarke Wette angeboten, obwohl ich Herberts Darstrellung bestätigte.

Es galt:

Eine Kiste Bier!!

Die Interessierten (etwa 10) nahmen eine ganz normale Stehlampe und zogen auf den Parkplatz zum Sapo.

Achtern die Motorhaube auf.....................

eine Steckdose wie in der Wohnung.

Motor anwerfen, alles i.O.

Stecker in die Dose und die Lampe brannte in schönster Helligkeit.

Zochers Kinnlade rutschte etwas tiefer(Immerhin eine Kiste Bier!)

Er erbat sich eine zweite Demonstration. Gemacht, getan.

Wieder zurück in der Kneipe. Die Wette schon fast vergessen, stand Zocher an der Wand und probierte die Stehlampe aus. „Das kann doch nicht sein, das kann doch nicht sein.....!

Trotzdem hatte er verloren und wie ein Mann die Kiste gleich auf den Tisch gestellt.!

Der Sapo hatte tatsächlich für den Transport von Fischen 220 V an Bord, um mit einem Staubsauger die notwendige Belüftung zu erzeugen.


 

Zwei Jahre später reisst die Chronik ab. Eigentlich nur deshalb, weil dem Christian kaum einer Paroli bieten konnte. Kein Wunder, er hatte es gelernt. Nach Herbert hat Lotar sich redlich gemüht, den Verein zusammen zu halten. Auch zu dieser Zeit war das Vereinsleben durchaus unseren Wünschen und Vorstellungen entsprechend.
 

Nach 1990 allerdings kam eine schwere Zeit für unseren Verein.

Viele traten aus, die Kinder-und Jugendgruppe gab es nicht mehr, die Mitglieder waren und sind von der Arbeit über Gebühr gefordert und haben kaum noch Zeit, sich beim Angeln in der Freizeit umzutuen.. Der Kampf um die Arbeit!

Gerald hat das Amt des Vorsitzenden übernommen und benötigt ganz sicher unser aller Unterstützung. Mehr, als je!

Die Salmoniden-Gruppe aber gibt es immer noch, auch wenn diese manchmal nur aus einem Mitglied besteht.

Ich schlage Euch vor, dass wir uns noch in diesem November zu einem Traditions-Meeresangeln zusammenfinden.

Richtig so wie in alten Zeiten.

Erst nach Wolenberg zum Würmerplumpern, dann nach Külungsborn zum Angeln. Mit, oder ohne Fisch, der Spass sollte entscheiden.


 

E. Nietz                                                                                                                                                 18.10.2000

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